Der Kirchentag war hier und ich war nicht da. Ich bin tatsächlich diesmal nicht hingegangen. Ich habe auch gezögert, hier etwas über eine Veranstaltung zu schreiben, die ich gar nicht selbst erlebt habe. Aber vielleicht ist es ja interessant, wieso ich beschlossen habe, nicht hinzugehen.
Die komplette Packung wäre bei meinem familiären Programm sowieso nicht drin gewesen, aber immerhin eine Tageskarte hätte schon geklappt. So hatte ich im Vorfeld online im Programm gestöbert. Das Angebot an gesellschaftlich-politischen Themen war wie immer breit und hochkarätig, aber irgendwie hatte ich diesmal keine Lust, mich dafür auf Papphocker zu setzen und komische Lieder zu singen (Paul Gerhard in „gerechter Sprache“? Hat er das wirklich verdient?) Für politische Diskussionen warte ich gerne auf den nächsten Taz-Kongress, dort habe ich das Ganze dichter und spare mir überdies die Singerei.
Ansonsten im Programm: endlos viel Beliebiges. Das „Forum Bibel“, das mich thematisch durchaus interessiert hätte, machte den Eindruck, als ob nur Kinder und geistig Behinderte die Bibel lesen. Was ist mit der Mehrheit der duchschnittlichen, einigermaßen gebildeten Kirchentagsbesucher? Wird gar nicht mehr versucht, diesen einen Zugang zu diesen Grundlagentexten in ihrer ganzen Komplexität zu vermitteln? Schade, denn gerade hier würde es interessant. Alles andere an Inhalten finde ich auch woanders, nur besser.
Wenn also nicht unser Großer auf eine Schule der Evangelischen Schulstiftung ginge und wenn nicht die Lobetaler Joghurts plötzlich Augen gehabt hätten, hätte ich möglicherweise vom gesamten Kirchentag kaum etwas mitbekommen. Die Stadt Berlin ist ja immerhin groß und nonchalant genug, dass ihr auch eine Veranstaltung mit einer sechsstelligen Teilnehmerzahl komplett am Hintern vorbeigehen kann – nicht einmal die Freundin, die biographisch bedingt eine Allergie gegen alles Christliche entwickelt hat, fühlte sich genötigt die Stadt zu verlassen. Kurz: die ganze Veranstaltung war schlicht irrelevant.
Weil ich also nicht dabei war: Hier der Link zu einem starken Text von einem, der dabei war. Sebastian Baer-Henney ist ein alter Freund, der inzwischen Pfarrer im Rheinland ist. Seinem Blog hat er einen, wie ich finde, sehr hübschen Titel gegeben.
https://relevanzvakanz.wordpress.com/2017/05/28/augen-die-nicht-weinen-koennen/