Räume #3 Die Natur- und Familienoase Königstein

Wir kennen den Weg schon vom letzten Herbst. Der EC in Richtung Prag bringt uns in nur zweieinhalb Stunden vom Berliner Hauptbahnhof nach Bad Schandau, dort steigen wir in die S-Bahn und fahren eine Station zurück nach Königstein. Hier lassen wir uns von der kleinen Fähre an die andere Elbseite übersetzen und gehen zu Fuß den letzten knappen Kilometer bis zu dem großen Haus mit dem dicken Türmchen.

Familienoase

Die Natur- und Familienoase Königstein ist eine besonders auf Familien ausgerichtete gemeinnützige Ferienstätte. Wer maximal ein mittleres Einkommen nachweisen kann (und das sind wohl die meisten von uns), zahlt den steuerbefreiten Preis. Familienfreundlich und entspannt ist auch der Chef der Hauses an der Rezeption. Und er bleibt es auch später noch, als wir ihm beichten, dass unser Mittlerer gerade ein Regal aus der Wand gerissen hat: „Tja, das kann nun mal passieren, wenn Kinder im Haus sind.“ Tags darauf hatte der Hausmeister die Dübel neu eingegipst. Man scheint hier einiges gewohnt zu sein.

Die Ausstattung könnte man als gehobenen Jugendherbergsstandard beschreiben – will heißen: die Betten sind bei Ankunft schon bezogen und es gibt Handtücher. Und sogar einen Radiowecker pro Zimmer. Wir hatten ein Familienzimmer, also zwei Zimmer, die durch eine Tür miteinander verbunden sind und die glücklicherweise zur Elbseite lagen. Für die Kinder war es vor dem Einschlafen ein Spaß, die Waggons der unablässig durchs Elbtal ratternden Güterzüge zu zählen.

Gegessen wird in einem hellen, modernen Anbau mit Tür zum Außengelände. Dass die Kinder immer schnell nach draußen verschwanden, lag nicht am Essen; dieses ist von einer sehr ordentlichen Qualität und kindgerecht. (Allerdings ist die Oase kein Paradies für Vegetarier: warme vegetarische Gerichte können gegen einen satten Aufpreis vorbestellt werden, ansonsten wird man ans Salatbuffet verwiesen …) Draußen locken jedoch das in den Boden eingelassene Trampolin und andere Spielmöglichkeiten. Es wimmelt von potenziellen Spielkameraden, was den Eltern die Möglichkeit gibt, auch mal etwas länger am Esstisch sitzen zu bleiben, da das ganze Gelände von dort aus einsehbar ist. Mit dem Feierabendbier sollte man allerdings nicht allzu lange warten, denn um 22 Uhr schließt die Getränkebar – das kann schon mal knapp werden, wenn an einem lauen Sommerabend die Kinder einfach nicht zur Ruhe kommen wollen.

Schleuse

Für Regentage gibt es Räume mit Tischtennis, Billard und Airhockey, einen Kleinkinderspielraum und eine Bibliothek mit Fernseher, außerdem gibt es an der Rezeption Spiele auszuleihen. Besser ist es aber natürlich, wenn es draußen trocken ist und man ohne allzu große Rutschgefahr eine der unzähligen Wandertouren über Felsen, Brücken und Täler in Angriff nehmen kann. Die Sächsische Schweiz ist mit ihren aberwitzigen Felsformationen, finsteren Höhlen, glitzernden Bächen und spektakulären Ausblicken ein einziger Abenteuerspielplatz. Wir beobachteten diverse Vögel, Libellen und sogar Fledermäuse, sammelten schöne Steine aus den Bächen und bestaunten nie zuvor gesehene Blumen. Interessant sind auch die historischen Dampf- und Straßenbahnen, die in Seitentäler führen, bemerkenswert ist sowieso der gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr (der aufmerksame Leser wird schon gemerkt haben, dass wir ohne Auto unterwegs sind). Und für eine Pause von ambitionierten Wandertagen empfiehlt sich eine Fahrt mit dem Raddampfer nach Pirna und dort ein Besuch im sehr schönen Geibeltbad.

Wofür die Zeit aber wieder nicht gereicht hat, ist die Böhmische Schweiz jenseits der tschechischen Grenze. Dort warten weitere nicht minder spannende Touren. Gut möglich also, dass wir auch noch ein drittes Mal nach Königstein fahren.

https://www.familienoase-koenigstein.de/

Fürs Wandern mit Kindern unverzichtbar:

Kaj Kinzel, Erlebniswandern mit Kindern Elbsandsteingebirge, Bergverlag Rother 2018, ISBN 978-3-7633-3177-2, 16,90 €.

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