Räume #6 Auch Diogenes braucht mal Urlaub: Im Campingfass in Prebelow

Der Neunjährige hatte gejubelt. In einem Fass schlafen! Mama und ich zusammen in einem Fass, draußen am Wald, beim See! Herrlich!

Auf der Suche nach alternativen Wohnformen im Urlaub – Jugendherbergszimmer sind auf Dauer doch etwas langweilig und Zelten ist nicht so meins – war ich auf das neue Angebot der Jugendherberge Prebelow gestoßen: Campingfässer!

Warum ist man nicht schon früher auf die Idee gekommen? Das Prinzip ist denkbar einfach: Holzlatten, die von vier Metallreifen zusammengehalten werden. Darin auf der halben Fläche eine horizontale Ebene, auf die zwei Betten passen. Der Raum darunter lässt sich als Stauraum nutzen oder auch mal als Versteck. Auf der restlichen Fläche zwei Bänke, die sich bei Bedarf zu zwei weiteren Betten umbauen lassen, und ein Tisch zum Ausziehen. Fertig. Die runde Form ist nicht nur ressourcenschonend, weil sie optimal wenig Material benötigt, sondern auch noch praktisch, weil es keine Ecken gibt, in denen Sachen verschwinden könnten.

Und für mein schnell überreiztes kleines FASD-Wildhirn ist die enge hölzerne Wölbung der ideale Ort, um zur Ruhe zu kommen. Am offenen Fenster gleich am Kopfende der Betten lauschten wir dem abendlichen Konzert der Grillen und Vögel. Im Dunkel der Nacht ließ sich eine Eule hören. Und am frühen Morgen rief ein Kuckuck. Der Bub rief zurück. Der Kuckuck antwortete.

Seit 2019 betreibt die Jugendherberge Prebelow im Ruppiner Land zehn solche Campingfässer, die sich seither großer Beliebtheit erfreuen. Geduscht und gegessen wird in den Räumen der Jugendherberge, ansonsten kann man sich jederzeit in sein eigenes kleines Reich zurückziehen. An heißen Sommertagen wird das Holzfass zwar zur Backröhre, lässt sich abends aber bei Durchzug wieder gut abkühlen. Und solche Tage verbringt man sowieso an oder auf den zahlreichen Seen. Der Prebelowsee ist gleich nebenan, die Badestelle über den frisch ausgebauten Rad- und Gehweg und eine Fußgängerampel über die Bundesstraße gut zu erreichen. Riskant ist leider die ungesicherte Straßenüberquerung zur Bushaltestelle – immerhin fährt hier mehrmals am Tag ein Bus nach Rheinsberg.

In Rheinsberg oder auch gleich im benachbarten Zechlinerhütte gäbe es auch Fahrräder zu leihen. Das Radwegnetz ist gut ausgebaut und markiert und schier endlos. Ebenso gut lassen sich die Seen, die alle durch Kanäle verbunden sind, aber auch zu Wasser erkunden. Die Jugendherberge hat sogar einen eigenen Kajakverleih für alle, die sich das zutrauen – für uns zwei unerfahrene Wassersportler war mir das allerdings nicht ganz geheuer. Wir haben die Tage auch so ganz gut gefüllt mit Baden, Tretboot fahren in Zechlinerhütte und einem Besuch im Schloss Rheinsberg (mit Audio-Guide für Kinder!) und dessen riesigem Park. Der Bub ließ sich anschließend nur noch mit „Euer Hochwohlgeboren“ anreden.

Und schließlich gibt es auch immer die Möglichkeit, mit den anderen Herbergsgästen Ball zu spielen oder einfach an der Anlegestelle die Füße ins Wasser zu halten und den vorbeifahrenden Jachten zuzuwinken. Bei Regen setzt man sich ins Fass und spielt Karten. Fertig ist der Traumurlaub. Nur wir zwei, in einem Fass draußen am Wald. Herrlich!

https://www.jugendherberge.de/jugendherbergen/prebelow-618/portraet/

Von Berlin per Zug und Bus in 2 bis 3 Stunden zu erreichen, mit Umsteigen in Oranienburg, Löwenberg und Rheinsberg (keine Sorge, die Niederbarnimer Eisenbahn ist zuverlässig).

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