Missionarin im Großstadtdschungel

Seit ein paar Wochen fahre ich zum Arbeiten nicht mehr in den schicken Prenzelberg, sondern weiter, durch Kreuzberg hindurch, bis nach Neukölln. Nachdem ich dort aus der U-Bahn gestiegen bin, an Dönerläden, Cafés, einer queerfeministischen Buchhandlung und einem Fachgeschäft für türkische Brautmoden vorbeigekommen bin und Menschen in ungefähr zehn Sprachen sprechen gehört habe, öffne ich die Tür zu einem weiteren reichlich alternativen und stets gut besuchten Café, sage hallo, gehe weiter nach hinten, rufe ein Hallo in die Küche und steige die Treppen bis in den 3. Stock. Dort hat das Kreuzbergprojekt sein Büro.

Das Kreuzbergprojekt war ursprünglich eine Tochtergründung des Berlinprojekts und hat vor ein paar Jahren seinen Ort im Refugio gefunden, einem Projekt der Berliner Stadtmission. Hier wohnen ca. 30 Menschen, die Hälfte davon Geflüchtete, außerdem gibt es das von Ehrenamtlichen betriebene Café, verschiedene gemeinnützige Projekte haben hier ihren Sitz und der Saal wird von verschiedensten interessanten Vereinen und Gruppen für Veranstaltungen gebucht. Ich habe nun die Aufgabe übernommen, an diesem Ort Gemeinde zu bauen. Mein offizieller Titel lautet: Stadtmissionarin. Und ich habe große Lust, diesen Begriff beim Wort zu nehmen.

Ich bin ja vor langer Zeit mit dem Gedanken nach Berlin gekommen: Wenn am Christsein etwas dran ist, dann muss es sich auch in einer Stadt wie dieser bewähren. Insbesondere in einer so bunten, sperrigen, vom Christentum unbeleckten Gegend wie Kreuzberg, in der ich ja auch schon mal fünf Jahre lang gewohnt habe (es waren auch in der Tat bisher die fünf interessantesten Jahre in dieser Stadt). Insofern macht das hier für mich alles sehr viel Sinn.

Erst mal steht hier alles auf (Neu)anfang. Die Gemeinde hat eine längere Vakanz hinter sich und ich bin erst mal beschäftigt, alle lose herumliegenden Fäden aufzusammeln und daraus etwas zu gestalten. Die Menschen, die ich bisher angetroffen habe, lassen mich aber ahnen, dass hier einiges möglich ist. Man darf gespannt sein.

Fotos folgen, sobald ich die Zeit finde, welche zu machen.

http://www.kreuzbergprojekt.de

http://www.refugio.berlin

2 Gedanken zu “Missionarin im Großstadtdschungel

Hinterlasse einen Kommentar